Dem Hund die Angst vor Silvester nehmen

 

„Auf keinen Fall beruhigen!“

 

Viele Hundebesitzer scheuen sich vor Silvester: Ihre Tiere haben solche Angst vor den ungewöhnlichen Geräuschen, den lauten Knallern, dass sie sich zitternd unter Betten, in Schränken oder sogar in der Vorratskammer bei den Kartoffeln verstecken. Was können Herrchen und Frauchen tun, um ihren Hunden zu helfen, ihnen die Angst zu nehmen? Ist es möglich, sie auf diesen Tag vorzubereiten oder gar zu trainieren? Wir haben mit einer Expertin gesprochen – der Vorsitzenden des Arbeitskreises Kleintiere der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, Heidi Bernauer-Münz.

 

Was genau ist es, was den Hunden zu Silvester so eine Angst einjagt? Ist es nur die immense Lautstärke? Liegt es an der Art des Lärms (das Knallen) oder spielen auch andere Umstände eine Rolle wie das aufgeregte Verhalten von Herrchen oder Frauchen?

  • „In erster Linie ist es das Unvorhersehbare, was den Hunden diese Angst einjagt. Die Tiere können das laute Knallen und die aufblitzenden Lichter nicht einordnen. Wenn Herrchen und Frauchen dann zusätzlich noch unsicher sind oder sich selbst bei jedem Knaller erschrecken, kann das das ängstliche Verhalten des Hundes noch verstärken.“

 

Was kann ich für meinen Hund tun, wenn die Angst akut ist? Wie kann ich das Tier beruhigen?

  • „Genau das sollten Sie auf keinen Fall tun – den Hund beruhigen. Wenn Sie ihn streicheln oder mit lieben Worten versuchen zu trösten, verstärken Sie damit das ängstliche Verhalten. Der Hund erlebt Positives und wird damit in seiner Ängstlichkeit unterstützt. Bleiben Sie selbst ruhig, ignorieren Sie das Tier. Auch, wenn es Ihnen schwer fällt. So vermitteln Sie ihm, dass alles in Ordnung ist. Geben Sie ihm einen Rückzugsort (falls er noch keinen haben sollte). Er darf sich selbst beruhigen. Wichtig ist natürlich auch, dass Sie selbst keine Silvesterböller mehr zünden, wenn Sie merken, dass Ihr Hund Ängste entwickelt.“

 

Was kann ich vorbeugend unternehmen? Helfen spezielle Trainings, die das Verhalten meines Hundes in Bezug auf den Silvesterlärm dauerhaft ändern können? Oder muss ich auf beruhigende Medikamente zurückgreifen?

  • „Trainieren mit Pistolen oder Ähnlichem hilft nicht weiter. Versuchen kann man Entspannungstrainings. Wenn Sie bereits wissen, dass Ihr Hund „Silvesterangst“ hat, können Sie besser auf beruhigende Medikamente zurückgreifen. Diese sind z. B. in Form von Zusatzstoffen für Futtermittel oder Psychopharmaka erhältlich. Sprechen Sie aber in jedem Fall vor dem Kauf mit Ihrem Haustierarzt. Der kann am besten einschätzen, welches Präparat für Ihr Tier geeignet wäre und letztlich auch hilft.“
Entspannungstraining Hund
Sogenannte Entspannungstrainings können langfristig helfen.

 

Wie sieht es mit Welpen aus? Welche Methoden kann ich von der Geburt der Fellnase an anwenden, damit solche Ängste gar nicht erst entstehen?

  • „Wichtig ist zunächst, dass Sie eine gute Beziehung zu dem Tier aufbauen. Es muss Ihnen vertrauen. Wenn Sie und Ihr Welpe den ersten Jahreswechsel miteinander erleben und Sie merken, dass er nach den ersten Knallern unruhig wird, geben Sie ihm etwas zum Kauen. Gleichzeitig Panik haben und fressen können Hunde nicht. Wenn er allerdings schon große Angst hat, ist es zu spät. Und immer daran denken: Wenn Sie versuchen ihn zu beruhigen, tun Sie ihm und sich selbst damit keinen gefallen.“

 

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