„Das Kuscheltierdrama“: Ein Lese-Muss für Haustierhalter

 

„Wir formen unsere Kuscheltiere, wie es uns gefällt“

Von J. Scharpenberg

 

Das Schicksal unserer Nutztiere geht vielen von uns immer mehr zu Herzen. In den Medien und in den sozialen Netzwerken sind Schweinezucht und Küken-Mord mittlerweile genauso Thema wie das Mittagessen von Kim Kardashian oder Angela Merkels Ignoranz gegenüber der deutschen Bevölkerung. Kaum einer aber denkt an unsere Haustiere. Dabei ist das „stille Leiden“ hier mindestens genauso groß wie die offensichtliche Not in den Ställen. Das weiß der Tierpathologe Prof. Dr. Achim Gruber besser als kaum ein anderer, und beschreibt seine Erfahrungen in „Das Kuscheltierdrama“ – ein Buch, das zum Umdenken anregt und schreit: Hört auf mit solchen Züchtungen, hört auf mit der Vermenschlichung! Unsere Haustiere leiden darunter, auch wenn ihr es nicht sehen wollt.

Prof. Dr. Achim Gruber
Prof. Dr. Achim Gruber ist Tierpathologe aus Überzeugung: Er möchte Tier und Mensch helfen.

 

Es liest sich wie ein guter und durchaus spannender Krimi, der nur leider auf wahren Begebenheiten basiert. Und hier ist es nicht die junge Sekretärin, die tot in einem Waldstück aufgefunden wird und deren Todesfall es zu klären gilt. In „Das Kuscheltierdrama“ geht es um Haustiere, die aus den unterschiedlichsten Gründen auf dem Seziertisch von Achim Gruber gelandet sind. Und um die Schlüsse, die der Tierpathologe aus seiner Arbeit gezogen hat.

 

Von Kannibalismus bis zum Todeskuss

 

In den Hauptrollen sind beispielsweise die Tumor-geplagte Hündin Hella, die mit einem Schuss von ihrem Herrchen erlöst wurde, bevor er sich selbst das Leben nahm. Und Katzen, die Opfer von Kannibalismus wurden, weil ihre Artgenossen zusammen mit ihnen am Hungerstod nagten – obwohl sie scheinbar gut behütet in einer Mietswohnung und nicht auf der Straße lebten. Auch ein Chinchilla wird in diesem Buch zum Opfer, als es von einem kleinen Mädchen zu Tode geküsst wird, weil dieses nicht wusste, dass Ihr Haustier einen Herpesvirus nicht überleben kann.

Das Kuscheltierdrama von Achim Gruber
Haustiere leiden oft unbemerkt.

Mit diesen und vielen anderen Fällen zeigt Achim Gruber, dass nicht selten die Tierhalter Schuld am Leid ihrer „Kuscheltiere“ sind. Es sei oft die Unwissenheit darüber, dass Menschen Krankheiten auf Ihre Tiere übertragen können, und umgekehrt. Es sei die Unwissenheit darüber, was Züchter vielen „Rassetieren“ mit den Züchtungen antun. Und wiederum die Unwissenheit der anderen, die diese Tiere bevorzugt kaufen, weil sie „niedlicher“ sind mit ihren viel zu kurzen Nasen und übergroßen Augen.

 

Taub dank Defektzüchtung

 

Dass schon die genetische Veränderung der Augenfarbe dazu führen kann, dass die Tiere taub zur Welt kommen, dass weiß kaum jemand. Will es nicht wissen. Oder verherrlicht es. Dass der Hund im Spiel einfach tot umkippen kann, weil er wegen seiner Überzüchtung nicht genügend Luft bekommt, darüber wird nicht nachgedacht. Aber wenn es dann soweit kommt, stehen die Besitzer bei Achim Gruber vor der Tür und bitten weinend um Rat. Habe ich etwas falsch gemacht? Ja, könnte der Tierpathologe oft sagen. Tut es aber nicht. Oder nur in seltenen Fällen.

Das Kuscheltierdrama von Achim Gruber
Der Mensch züchtet und züchtet. Das Tier leidet darunter.

Das Wohl des Tieres liegt in den Händen des Besitzers, sagt Gruber. Natürlich. Das Tier entscheidet nicht selbst, wann oder ob es Futter bekommt. Ob es an die frische Luft darf und den nötigen Auslauf bekommt. Oder wann es zum Arzt gebracht wird.

 

Krankenversicherung statt teure OPs

 

Letzteres ist laut Gruber ein weiteres großes Thema: Viele Tierhalter gehen nicht rechtzeitig mit ihren Tieren zum Arzt. Sei es, weil es der Geldbeutel nicht hergibt, weil man sich einredet, man wisse selbst ganz gut, wann es dem Tier schlecht geht, oder aus anderen Gründen. Warum wird erst etwas unternommen, wenn der Tumor schon unübersehbar ist, wenn doch bei frühzeitiger Erkennung oft geholfen werden kann?

Das Kuscheltierdrama von Achim Gruber
Sie liegen uns am Herzen. Dennoch ignorieren viele Tierhalter das Offensichtliche.

Er rät zur Krankenversicherung, zur OP-Kosten-Versicherung für Hund, Katze und Co. – So müsste der Gang zum Arzt zumindest aus finanzieller Sicht nicht hinausgezögert werden. Der Gedanke an die Gesundheit des Tieres sollte schon vor dem Kauf präsent sein: Kann ich es mir leisten, wenn mein Tier krank wird? Wenn nicht, lassen Sie es sein und kaufen es nicht! Seien Sie nicht so egoistisch, es doch zu tun.

 

Das Auto ist versichert, warum nicht Ihr Tier?

 

Wir versichern unsere Autos, unsere Häuser und oft noch viele andere Dinge. Uns selbst sichern wir oft sogar mehrfach ab. Krankenversicherung, Lebensversicherung, Unfallversicherung, und und und. Warum tun sich so viele bei ihren vierbeinigen Weggefährten schwer? Wir sind dafür verantwortlich! Wir bestimmen über Leben und Tod …

 

Ein Textauszug

„[…] Für mich als Tierpathologen und letzten Zeugen löst sich dieser Zwiespalt in meiner täglichen Arbeit auf, wenn ich sehe, dass wir mit unseren Kuscheltieren oft auch nicht viel besser umgehen als mit Nutztieren und Wildtieren. Auch sie benutzen wir gern, wie es uns gefällt, selbst wenn wir gern ein anderes Bild von uns und ihnen in unserem gemeinsamen Heim pflegen. Dabei denke ich nicht an extremen Missbrauch wie Tierquälerei, Vernachlässigung, Doping und Sodomie. Dies sind schändliche Ausnahmen und zumeist durch menschliche Psychopathologien begründet.

Vielmehr macht mich die in Teilen der Gesellschaft erkennbare Skrupellosigkeit bei der Züchtung und Verherrlichung von offensichtlich leidenden Tieren wütend, genauso wie die Vernachlässigung von verantwortungsvoller tiermedizinischer Vorsorge und Therapie im Krankheitsfall. Warum müssen Haut- oder Milchdrüsentumoren bei Hunden erst Tennisballgröße annehmen, bevor der Besitzer von Eigenheim und Oberklassewagen mit seinem Vierbeiner zur Tierärztin geht? Warum werden Hund und Katze, Kaninchen und Frettchen nicht ausreichend entwurmt und geimpft, um Fuchsbandwurm, Staupe und Myxomatose sicher zu verhindern?

Wenn es an Unwissenheit liegen sollte, hat dieses Buch hoffentlich geholfen. Bei allen weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin. Die jahrzehntelange Historie von immer extremeren Defektzüchtungen bei längst ausreichender Kenntnis auf Züchterseite zeigt jedoch an, dass besseres Wissen allein nicht vor anhaltenden, systematischen Verstößen gegen den Geist des Tierschutzgesetzes schützt. […]“

 

Lesen Sie auch unser Interview mit dem Autor und den Leitfaden zum Thema „Hundeversicherung“.

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Fotos: J. Scharpenberg; Pixabay

 

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